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Dez09

?Ich liebe die Haut, die Sinnlichkeit, die Frauen!?

?Generalmusikdirektor? Serge Guerand über die emotionale Seite seiner Fotokunst

Zum zwölften Mal bringt Hansgrohe einen künstlerischen Fotokalender heraus; die Vernissage fand am 27. November in der Hansgrohe Aquademie statt. Für das kommende Jahr präsentieren die Schwarzwälder Wasserästheten zwölf sinnliche Fotomotive in Schwedenrot. Der Hansgrohe Kalender 2015 heißt Shower Moments und wurde vom international renommierten Mode- und Lifestyle-Fotografen Serge Guerand fotografiert. In den schwedischen Schären gelangen ihm Momentaufnahmen der Freiheit und des Glücks. Augenblicke, die Intimität und Natürlichkeit einfangen. Serge Guerand verrät im Gespräch, wie er solche Stimmungen erzeugt.

Herr Guerand, Sie sind weit gereist. Waren Sie zuvor schon einmal in Schweden?
Serge Guerand: Ich war mehrmals in Schweden, vor allem in Stockholm. Ich habe dort Shootings gemacht ? eins für ELLE Deutschland, ein anderes für Marie Claire. Ich war auch oben im Norden im Urlaub, in diesem Eis-Hotel in Lappland, wunderschön. Ich reise in viele Länder, aber in der Schärenlandschaft war ich noch nie. Ich wollte schon lange mal hin. Es ist tatsächlich ein überwältigender Ort. Zudem war beim Hansgrohe Shooting auch noch das Wetter herrlich.

Was macht diese Landschaften so besonders?
S.G.: Ich mag diese nordischen Landstriche, weil sie so rein und ruhig sind. Solche Orte haben mich schon immer begeistert. Ich wohne zwar nicht weit vom Meer, finde aber, dass Seen wirklich ruhige Orte sind. Beim Kalender-Shooting hatten wir viel Arbeit, aber dennoch herrschte diese Ruhe. Außerdem gibt es in den nordischen Ländern eine Art von Weisheit, die ich gern habe.

War der Ort auch anregend für den Künstler Guerand?
S.G.: Ja genau! Ich reise viel in Großstädte: Tokio, Miami, New York. Manchen Künstlern ist die Aufregung der Großstädte lieber, ich persönlich befinde mich aber auch gern an ruhigen Orten. In einer Stadt gibt es viele Informationen, man muss sehr auf sein Thema fokussiert sein. Wir blieben das ganze Hansgrohe Shooting über am selben Ort, was angenehm war. Es gab den See und das Holzhaus, das war perfekt für mich. Nichts störte den Blick. Man sah das Wasser und hinten die Landschaften, die ein bisschen flach sind, großartig. Das Inspirative hängt aber natürlich auch von den Menschen ab.

Verglichen mit Studio-Shootings: Was sind die Herausforderungen draußen, wo Wind und Sonne eine Menge Einfluss haben können?
S.G.: 80 Prozent meiner Arbeit findet draußen statt beziehungsweise an Orten, die ein bisschen magisch sind. Ich bin eher ein emotionaler Fotograf. Ich mache viel Mode und auch Filme. Wenn ich zwischen draußen und drinnen wählen müsste: Ich würde mich immer für draußen entscheiden. Die Elemente und Wetterbedingungen verursachen oft tolle Zufälle. Im Studio ist es dagegen eher strukturiert. Man kann zum Beispiel mit weißen Hintergründen arbeiten. Der Vorteil ist, dass wir hier das Licht erschaffen können. Das Studiolicht ist wie Tageslicht; man merkt den Unterschied gar nicht. Blitzlicht allein interessiert mich nicht.

Sie sind für Ihre sinnliche, emotionale Fotografie berühmt. Welche Bedingungen brauchen Sie am Set, um derart private und innige Momente herzustellen?
S.G.: Gute Frage. Ich arbeite seit 30 Jahren in diesem Beruf ? und habe schon viele Frauen ausgezogen! Ich habe eine Leidenschaft für Frauen. Sie verlassen sich auf mich. Ich denke, es ist eine Frage des Vertrauens. Andere Fotografen haben mich oft gefragt: ?Wie schaffst du es, Frauen so zu entkleiden, ihren Charme zu zeigen, sie so schön zu machen?? Ich habe eine Art Schamgefühl, ich will gewisse Dinge gar nicht sehen, mir geht es um die Sinnlichkeit. Ich habe eher den Blick einer Frau. Mein schönstes Kompliment ist es, wenn Frauen meine Arbeit loben. Ich versuche, Frauen nie vulgär erscheinen zu lassen. Selbst wenn sie nackt sind, sind sie bei mir nie vulgär. Ich liebe die Haut, ich liebe die Sinnlichkeit, und ich liebe die Frauen! Ich könnte allein mit 50 Frauen zu Abend essen?

Macht es für Sie einen Unterschied ob Sie ein nacktes Model fotografieren ? oder eines, das in Haute Couture gehüllt ist?
S.G.: Sinnlichkeit heißt ja nicht unbedingt Nacktheit. Eine Frau kann Winterkleidung tragen und sexy sein. Sinnlichkeit kann man auch in einem Blick finden. Schönheit kommt aus dem Bauch heraus, aus dem Herzen. Es geht auch um ihren Blick aufs Leben. Gestern haben wir zum Beispiel mit einem Model im Studio gearbeitet. Sie war zwar nackt, aber es drehte sich alles um Lust und Großzügigkeit. Es geht immer um die Magie und ums Träumen. Das macht die Leute schön. Wir machen ja keine Pornographie.

Ein Hansgrohe Shooting heißt immer: viel Wasser am Set ? und Models, die mit Armaturen oder Brausen hantieren. Wasserszenen sind sicher nicht einfach zu fotografieren?
S.G.: Ja, das ist eine sehr komplexe Aufgabe. Wir wollen Sinnlichkeit und gleichzeitig auch das Produkt zeigen. Das sind zwei unterschiedliche Aufgaben in einer. Es reicht nicht, wenn das Produkt super aussieht, das Model muss es auch tun. Wir haben also eine Frau, die unter der Dusche steht, möglichst ungekünstelt. Sie soll dabei eine wunderschöne Gestik haben, Emotionen zeigen und das Produkt in äußerster Qualität präsentieren. Es wäre viel einfacher, nur das Produkt zu zeigen, aber ich mache ja keine Stillleben.

Ich liebe es, Hansgrohe Produkte zu fotografieren, weil sie wunderschön und luxuriös sind. In unserer langjährigen Zusammenarbeit ist mir das Vertrauen wichtig, das mir die Marke Hansgrohe entgegenbringt. Wir arbeiten Hand in Hand, gehen in dieselbe Richtung. Außerdem habe ich unglaublich gute Assistenten. Ich bin wie ein Generalmusikdirektor, aber ohne das Team könnte ich es nicht machen.

Und irgendwie gelingt es Ihnen, die Models nicht wie begossene Pudel aussehen zu lassen?
S.G.: Es geht um Inszenierung, Emotionen und vertraute Bewegungen. Wenn das Model ohne Gefühle unter der Dusche steht, ist es nicht schön und erzeugt kein Interesse. Es soll sich wohlfühlen, auch wenn es nackt ist und viele Leute im Studio herumstehen. Ich mache eigentlich keine Fotos, sondern Filme, bei denen ich viele Bilder nacheinander shoote. Deswegen verlange ich auch, dass das Model sich bewegt. Manchmal gebe ich ihm alle Freiheit, manchmal provoziere ich es oder bringe es zum Lachen. Irgendwann, BOUM, hat man einen schönen Augenblick. Ich weiß, was ich sehen möchte. Es kommt bei mir immer aus dem Herzen.

Serge Guerand wurde im französischen Anjou geboren. Er arbeitete unter anderem als Friseur auf Ibiza. Nach ausgedehnten Reisen um die Welt ließ er sich in Paris nieder, wo er ein angesehener Fotograf wurde. Unter seinen namhaften Kunden befinden sich Cartier, Evian, Davidoff, Hermes und Kenzo. Als Werbefilmer realisierte er Clips für Nivea oder McDonald?s. Mehr unter www.guerand.com

Zwei Models im Bottich

Der französische Fotograf Serge Guerand mit zwei Models beim Shooting für den Hansgrohe Kalender.

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